Therapeutisches Reiten

Therapeutisches Reiten ermöglicht die individuelle Förderung von Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen. Angesprochen sind damit Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer geistigen Behinderung oder einer psychischen Erkrankung, lernbehinderte oder verhaltensauffällige Menschen sowie Patienten mit einer neurologischen Erkrankung, wie zum Beispiel Multiple Sklerose, frühkindliche Hirnschädigungen oder Schädel-Hirn-Traumata.

Jeden Tag erleben wir viele kleine Erfolge. Schon ein Lachen im Gesicht eines Kindes ist viel wert. Doch auch größere Erfolge sind Teil unserer Arbeit. Zum Beispiel denken wir gerne an die achtjährige Lena zurück, die mit einer Magensonde ernährt werden musste, als sie zu uns kam. Nach einem dreiviertel Jahr waren das aufrechte Sitzen und der Schluckmechanismus so gut trainiert, dass sie feste Nahrung zu sich nehmen konnte. Solche Erfolge bestätigen uns in unserer Arbeit.

Die rhythmischen Bewegungen, die das Pferd auf seinen Reiter überträgt, wirken sich positiv auf den gesamten Bewegungsapparat der Patienten aus und führen in vielen Fällen zu großen Fortschritten. Darüber hinaus steigert der Umgang mit dem Pferd die Lebensfreude, das Selbstwertgefühl sowie das Vertrauen in sich und andere.

Therapeutisches Reiten umfasst im Wesentlichen folgende Bereiche: Heilpädagogisches Voltigieren, Heilpädagogisches Reiten, Hippotherapie und Reiten als Sport für Menschen mit Behinderung.

Heilpädagogisches Voltigieren

Beim Heilpädagogischen Voltigieren führen die Kinder auf einem Pferd, das an der Longe geführt wird, gymnastische Übungen durch. So sollen motorische Fähig- und Fertigkeiten gefördert und psycho-soziale Verhaltensweisen trainiert werden. Wichtig ist dabei, dass in einem Umfeld geübt wird, in dem die Beeinträchtigung bzw. Störung auftritt. Daher sind die Fördereinheiten in unserer Einrichtung in der Regel als Arbeit in der Gruppe gestaltet. Einzelarbeit ist immer dann nötig, wenn zum Beispiel die Fähigkeit, sich in eine Gruppe zu integrieren, noch nicht vorhanden ist oder Ängste überwunden werden müssen.

Heilpädagogisches Reiten

Kinder und Jugendliche erhalten hier die Möglichkeit, sich mehr Autonomie zu verschaffen und Eigenverantwortung zu übernehmen. Der enge Kontakt und die Beziehung zum Pferd spielen dabei eine wichtige Rolle und stärken sowohl die persönliche als auch die soziale Entwicklung. Auch hier arbeiten wir am liebsten in Gruppen. In vielen Fällen erweist es sich als Vorteil, wenn dem Heiltherapeutischen Reiten Übungen aus dem Heilpädagogischen Voltigieren vorausgegangen sind, da auf wertvolle Erfahrungen zurückgegriffen werden kann.

Hippotherapie (Krankengymnastik)

Die Hippotherapie ist eine krankengymnastische Behandlung auf dem Pferd. In der Gangart Schritt überträgt das Pferd Schwingungsimpulse auf den Patienten, die dem Bewegungsablauf des Gehens ähnlich sind. Die aufgenommenen Impulse wirken sich positiv auf den gesamten Bewegungsapparat des Patienten aus und verbessern das Balancegefühl, das Gleichgewicht, die Muskelspannung sowie die Koordination von Bewegung. Durch die Hippotherapie kann somit die Fähigkeit zu Gehen erhalten, verbessert oder sogar wieder neu erlernt werden.

Reiten als Sport für Menschen mit Behinderung

Dieser Bereich umfasst die reitsportliche Ausbildung körperbehinderter, sinnesgeschädigter und geistig behinderter Menschen, die das Reiten nach den Prinzipien der klassischen Reitlehre erlernen wollen. Im Vordergrund steht die Vermittlung von Fähig- und Fertigkeiten im Dressurreiten, unter Berücksichtigung der individuellen Handicaps.